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Jochen Schmith. Certain Arrangements.
Untertitel: Hg.: Kunstverein Braunschweig, kunstzeitraum München. Red.: Katrin Meder. Texten von Yilmaz Dziewior, Jörn Schafaff und Hilke Wagner. Ausstellungskat.-
Autor(en): Wagner, Hilke (Hg.)
Erschienen: Köln, 2010.
Reihe:
Angaben: 136 S. mit zahlr., teils ganzs., meist farb. Abb., einigen Kurzbiogr., Bibl., Anm., Ausstellungsverz., Kat., Text dt. u. engl., 4°, br.
Schlagworte: Jochen Schmith (= Carola Wagenplast, Peter Hoppe und Peter Steckroth)
Zusatzinformationen: - Buch zur Ausstellung in Braunschweig 2010 -
Rubrik(en): Kunst / Zeitgenössische Kunst / Künstlergruppen
Jochen Schmith, das sind Carola Wagenplast, Peter Hoppe und Peter Steckroth. Seit 2000 arbeiten sie als Künstlerkollektiv unter dem Pseudonym Jochen Schmith zusammen.
Ausgangspunkt für die Ausstellung im Kunstverein Braunschweig und dieses Buch war eine Beschäftigung mit der klassizistischen Villa und ihrer ursprünglichen Nutzung. Doch was auf den ersten Blick ortsspezifisch anmutet, erfährt bei näherer Betrachtung und beim Durchlaufen der Säle und Kabinette des Kunstvereins, ja beim Folgen des von Jochen Schmith festgelegten Parcours, beim Durchblättern im Buch, eine Erweiterung ins Globale. Vermeintlich historische Bezüge münden in Reflexionen aktueller Phänomene. Fein und zurückhaltend sind die Installationen und Raumeingriffe, die häufig den Raum selbst in den Fokus rücken, doch vielfältig die Konnotationen.
Ein Tulpenstrauß am Empfang - eine beiläufige Geste, mit der das Künstlerkollektiv Jochen Schmith auf die erste dokumentierte Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte verweist: die so genannte Tulpenmanie. Als die noch unbekannte Tulpenzwiebel Ende des 16. Jahrhunderts nach Holland kam, löste das exotische Gewächs einen regelrechten Tulpenwahn unter den Niederländern aus. In den 1630er Jahren waren die Preise für Tulpenzwiebeln explodiert und zum Teil um das Fünfzigfache gestiegen, sodass beispielsweise in Amsterdam ein Haus für drei Tulpenzwiebeln erworben werden konnte. Die Blase platzte 1637: quasi über Nacht fielen die Preise um über 95 Prozent. Tulpen auch auf einem in der Ausstellung präsentierten Gemälde: Es handelt sich um die Kopie der gestohlenen, von Interpol gesuchten Malerei „Blumen in einer Glasvase“ von Jan Brueghel d. Ä. (1568-1625), das Jochen Schmith in einem artist village in China reproduzieren ließ, wo Maler fließbandartig Gemälde als Auftragsarbeit anfertigen.
Das Künstlerkollektiv Jochen Schmith (Carola Wagenplast, Peter Hoppe und Peter Steckroth) geht der Frage nach Wertigkeiten auf unterschiedlichen Ebenen nach: Einerseits geht es um die Mechanismen, die Wert und Exklusivität etablieren, andererseits um die daraus folgenden Konsequenzen. Stets jedoch verhandelt Jochen Schmith Fragmentierungen von Wirklichkeiten oder Bildwelten, die eine Potentialität von Orten oder Dingen sichtbar machen.
Durch bestimmte Eingriffe visualisiert Jochen Schmith bauliche Veränderungen der geschichtsträchtigen, frühklassizistischen Villa Salve Hospes und bringt diese in ein Verhältnis zu heutigen gesellschaftlichen Konstruktionen: In den Räumen der großbürgerlichen Villa präsentieren sie unter anderem die ehemaligen Türknäufe einer zeitgenössischen Edelboutique. Kratzer auf deren Oberflächen zeugen vom zwanzigjährigen Gebrauch, von schweren Ringen an den Händen kaufkräftiger Kunden. Lichtprojektionen auf der Wand der Villa Salve Hospes verweisen auf ehemalige, mittlerweile verschlossene (Dienstboten-) Zugänge. Die antikisierenden Stuckstatuen in der Rotunde des Hauses Salve Hospes verhüllt Jochen Schmith mit Haute Couture - Kollektionsstoffen, enthüllt dadurch aber gleichsam ihren eigentlichen Zweck: die Repräsentation.
Eine Ausstellung, ein Buch, deren heterogene Themenstränge sich erst am Ende zu einer vielschichtigen Analyse vernetzen und verknüpfen.
- Jochen Schmith comprises Carola Wagenplast, Peter Hoppe, and Peter Steckroth. They have been working together as an artist collective since 2000, under the pseudonym Jochen Schmith.
The starting point for the exhibition in the Kunstverein Braunschweig and the book was an interest in the classical Villa and its original use. However, what seems at first glance to be site-specific, assumes an extended sense of global significance upon closer inspection, after walking through the rooms and viewing the cabinets of the Kunstverein, in accordance with the route laid down by Jochen Schmith. What at first seem like historical references, turn into reflections upon current phenomena by going through the book. The installations and interventions are delicate and reserved, frequently focusing upon the room in question, yet at all times rich with diverse connotations. In short, an exhibition and a book that links and combines heterogeneous thematic strands to create a multifaceted analysis.
Ausstellung | Exhibition: Kunstverein Braunschweig, 27/02–09/05/2010.
(Abbildung aus dem Kataloginneren; entspricht nicht dem Cover)
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